Die Tränen im Wind

Heute Abend haben wir eine etwas andere Aufführung zu präsentieren. Während die Barden und Poeten des Bardenwettbewerbs der ersten Triader Löwenkämpfe Agia Triadas ausschließlich allein auftraten, stellen wir euch nun… das erste und einzige Duett vor – gesunden von Tilion Vénéanar und Sienna.

Die Tränen im Wind

»Oh, ich glaube ich bin an der Reihe.«, warf er ein und bevor Targash noch mehr sagen konnte stand er auf und schulterte seinen Koffer. Leichtfüßig sprang er auf die Bühne, wo er diesen ablegte, ihn öffnete und ein lautenähnliches Instrument hervorholte. Dieses hatte einen kleineren Korpus, war jedoch elegant geschwungen und besaß mehr Saiten. In wenigen Augenblicken hatte er das Instrument zu seiner Zufriedenheit gestimmt und legte es wieder zurück an seinen Platz.
Er drehte sich um und steuerte mit ruhigen Schritten die Mitte der Bühne an. Lächelnd ließ er seinen Blick über das Publikum schweifen, fand hier und da einen erwartungsvollen Blick. Sein Blick wanderte zu dem Tisch an dem Aeryn saß. Kurz trafen sich ihre Blicke und sein Lächeln wurde breiter. Dann verbeugte er sich in einer fließenden und anmutigen Bewegung vor dem Publikum. Als er sich wieder aufrichtete, war seine Miene konzentriert, der Blick in die Ferne gerichtet.

Seine Vorstellung würde nun beginnen.

Ein einzelner heller Flötenton erklang. Tilion hielt ihn lange, ließ ihn vibrieren. schließlich löste er ihn in einer fröhlichen Melodie. Die Töne hüpften wie das Klappern von Pferdehufen auf Kopfsteinpflaster, wie das klingeln des Geschirrs. Er entführte seine Zuhörer in eine Welt voller Überraschungen und Wunder.

Schließlich ließ er die letzten Töne sanft ausklingen und begann mit seiner klaren Stimme zu singen.

Wind zieht über die Felder
Die Ernte wird eingebracht
Wie Grün die hiesigen Wälder
In dieser Sommernacht.
Des Bauernsohns Gold liegt reich auf den Feldern
Das Käuzchen es ruft nachts durch die Wälder.

Mit dem Wind zieht sie über Land
Als wäre sie ein Vöglein
Die Pferde gespannt,
vor Geschmeide und Tand
Doch wer könnte sie haben, ihr Herz nur gewinnen
Ihr Lächeln so hell, mein Herz ist von Sinnen

Der Wind spielt durch Haare
durch goldblonde Locken
der Schönen, die Wunderbare
Mein Herz will frohlocken
Welch Schönheit, dass ein jeder es sieht

Ach wäre ich doch meines Glückes Schmied.

Mit der letzten Strophe hatte er seine Cister hervorgeholt und seine flinken Finger den Gesang untermalen lassen. Nun war der letzte Ton verklungen und er lies sein Instrument sinken. Verzaubert hielten die Zuhörer den Atem an, gespannt ob noch mehr kommen würde. Niemand wagte es, die Stille zu durchbrechen.

Sienna stand in mitten des Publikums und hörte dem Elfen Tilion zu. Sie liebte dieses Lied und konnte in den Gesichtern der Anderen erkennen, dass auch sie von der Melodie und dem Gesang in den Bann gezogen wurden.
Als Tilions Stimme verklang, konnte man in den Gesichtern des Publikums irritierte fast schon sehnsuchtsvolle Blicke erkennen, als würden sie sich fragen, ob dies nun schon das Ende gewesen sein sollte. „Natürlich geht es noch weiter“, murmelte sie leise vor sich her und wartete auf den richtigen Moment. Je länger die Stille andauerte, desto stärker wuchs die Spannung. Dann als der Höhepunkt erreicht war, erhob Sienna ihre Stimme und sang.

Er wäre der perfekte Gatte,
klug und schön und weltenoffen.
Auch wenn er kaum nen Penny hatte
könnt ich nichts andres mir erhoffen.
Lang gewollt doch nie geglaubt,
ein Mann hat mir das Herz geraubt

Und dennoch, wie könnt ich es wagen,
ihm von Liebe etwas sagen,
Vater würde ihn wohl schlagen,
so werd mit Worten ich verzagen,
mich mit Sehnsucht ewig plagen
und ihn nie das Eine fragen.

Siennas helle Stimme fügte sich in das Lied ein wie ein Sonnenstrahl am Morgen einer grünen Lichtung, der Tautropfen wie Perlen auf dunklen Farnblättern aufgereiht, zum glitzern brachte. Als ihre Worte verstummten und sie ihm ein scheues Lächeln zuwarf, nahm Tilion die Melodie wieder auf.

Ihr Lächeln gleich
Dem Aufgang der Sonne
Die Haut so weich
Die Augen wie Sterne
An welch glücklichen Prinzen sie sich bind?
Ihre Tränen so süß, sie trocknet der Wind.

Der Vater, ein Händler
Des Worts wohlgewand
Hat Karawanen reicher Güter
Im Land wohlbekannt.
Doch den größten Schatz kein Mann je gewinnt
Meine Träume zerstoben, sie fliehen im Wind.

Die Holde zieht weiter
Mein Herz bleibt zurück
Ein Band bleibt, die Farben heiter
zeugend vom verschwundenen Glück.
Wär ich ein König, sodass das Gold nie verrinnt
Meine Wünsche nicht verflogen, wie die Blätter im Wind.

Nachdem Tilion mit seiner Strophe geendet hatte, machte Sienna sich langsam schreitend auf den Weg Richtung Bühne, während sie abermals zu singen begann.

Und so zogen wir los,
durch die Wälder und Täler,
Die Sehnsucht wurd groß
,die Hoffnung wurd schmäler.
Doch mein Vater zieht dem Gold hinterher
Mein Herz bleibt zurück, voll Sehnsucht schwer.

Sehr oft denke ich an ihn,
denke sehnsuchtsvoll daran
warum musst ich weiter ziehn
Nur weil er mir nichts bieten kann?
Und so trauere ich täglich jede Nacht
ob der Liebe, welche ist an jenem Tag erwacht.

Kurz vor dem Ende ihrer zweiten Strophe hatte sie die Stufen zur Bühne erreicht und diese in langsamen Schritt erklommen.

Während Sienna auf die Bühne gestiegen war, hatte sich Tilion auf die linke Seite der Bühne gestellt. Sie standen nun, den ganzen Raum einnehmend in einigem Abstand zueinander. Ihre Stimmen jedoch überbrückten die Distanz mit spielender Leichtigkeit, wechselten sich ab. Sienna sang und der Elf antwortete, als würde seine Stimme das Echo der Gnomin sein.

(Sienna) Wenn ich Mutter um Hilfe frage,
(Tilion) So oft ich nur um Hilfe bat
(Sienna) höre ich sie nur das Eine sagen:
(Tilion) Gab mein Freund mir diesen Rat:

(Sienna)
Weine nicht, junges Mädchen,
Such die Liebe nicht am Horizont.
Einen tüchtgen Mann wirst du noch finden
Der füllt Taschen dir mit Gold.

(Tilion)
Gräm dich nicht mein guter Freund
Eine Frau wirst du finden
Die viele Kinder wird dir bringen
Drum such die Liebe nicht am Horizont.

Nun verschmolzen ihrer beider Stimmen. Die Strahlen der Morgensonne vermischten sich mit dem geheimnisvollen schimmern des Mondes zu einer sehnsuchtsvollen Melodie.

(Sienna und Tilion)
Sind das Tränen oder Regen?
Ach wäre ich doch bloß bei Dir
Dein zarter Kuss würde mich trösten.
Das Glück werd finden ich nicht hier.

(Sienna und Tilion, Tilions Part)
Nichts kann lindern die Not.
Niemand spendet mir Trost.
Sie wird heiraten bestimmt
einen herzlosen Prinz.

(Sienna und Tilion, Siennas Part)
Nichts kann lindern die Not.
Niemand spendet mir Trost.
Ich muss heiraten bestimmt
einen herzlosen Prinz.

Nach diesen traurigen fast verzweifelt klingenden Worten sang Tilion leise und wehmütig weiter.

(Tilion)
Mein Herz, es zerrinnt
zieht zur Liebsten mich hin.
Leise flüstert der Wind
doch ihr Lachen verklingt

Ebenso leise antwortete Sienna, woraufhin beide ihre Stimmen ein weiteres Mal zu dem Refrain verbanden.

(Sienna)
Mein Herz, es zerrinnt
zieht zum Liebsten mich hin.
Leise flüstert der Wind
doch sein Lachen verklingt.

(Sienna und Tilion)
Sind das Tränen oder Regen?
Ach wäre ich doch bloß bei Dir
Dein zarter Kuss würde mich trösten.
Das Glück werd finden ich nicht hier.

Tilion wandte sich Sienna zu, die ihn ebenfalls anschaute. Bemessen schritten sie aufeinander zu, während sie gemeinsam sangen. Die Musik wurde schneller und Sienna holte ein Tamburin hervor, dessen Schläge und Schellen Tilions Spiel rhythmisch begleiteten. So setzten sie ihren gemeinsamen Gesang fort.

(Sienna und Tilion, Tilions Part)
Ich eile geschwind
und suche die Liebste
Bin so schnell wie der Wind
Doch die Zeit die verrinnt.

(Sienna und Tilion, Siennas Part)
Ich eile geschwind
und suche den Liebsten
Bin so schnell wie der Wind
Doch die Zeit die verrinnt.

(Tilion)
Ich ziehe über Felder,
Wiesen und Wälder.
Sterne funkeln in den Seen
Doch die Spuren verwehn.

(Sienna)
Wolken spiegeln sich in Seen,
und ich zieh durch die Wälder
überquere Wiesen und Felder
kann sein Dorf doch nicht sehn.

Fast hatten die beiden sich erreicht, standen kaum eine Armlänge voneinander entfernt. Tilion streckte eine Hand nach Sienna aus, wie um sie zu berühren. Jene jedoch wandte sich wieder den Zuschauern zu. An Tilion vorbei auf die andere Seite der Bühne. Seine Finger schlossen sich, griffen in die Leere. Mit nichts als Luft in den Händen setzte er, von Sienna begleitet, zum letzten Mal den Refrain an.

(Sienna und Tilion)
Sind das Tränen oder Regen?
Ach wäre ich doch bloß bei Dir
Dein zarter Kuss würde mich trösten.
Das Glück werd finden ich nicht hier.

Nun wieder die Hände an dem Seiteninstrument sang Tilion zur Begleitung der flotten Töne, während Sienna den Rhythmus mit dem Tambourin vorgab.

Klappernde Hufe auf staubigen Straßen
Fuhrwerke vor mir mit Gütern beladen
Doch vergebens such ich ihr lieblich Gesicht
das schönste Mädchen es bleibt wohl vermisst.

Die Wagen voll Aufruhr, der Vater in Sorgen
Vermisste seinen größten Schatz
So war sie geritten dem Liebsten entgegen
Vor Schreck macht mein Herz einen großen Satz.

Die letzte Zeile beendete Tilion mit einem lauten Akkord, das Tambourin war nun still. Nur wenige sanft gezupfte Saiten begleiteten Siennas Part.

Den Vater ließ ich hinten zurück
Suche den Weg zu meinem Glück
Reite nun täglich ins Abendrot
Will schnell ihn finden zu lindern die Not.

Und so reite ich in das Dorf hinein
Doch sein Hof ist leer, kein Mensch ist da
So frag ich die Leute: „Wo könnte er sein?“
man sagt, dass auf der Suche er war.

Ihre Stimmen wieder vereinend und begleitet von lauten Akkorden schmetterten sie inbrünstig die nächste Strophe.

(Sienna und Tilion, Siennas part)
Sag mir bloß, wie konnte das sein?
Hätte ich gespart mir diese Hast.
Nun sucht er mich im Mondenschein
Wie hab ich nur meine Liebe verpasst.
Daher tret ich nun den Rückweg an
auf dass ich ihn dieses Mal finden kann.

(Sienna und Tilion, Tilions part)
Sag mir bloß, wie konnte das sein?
Hätte ich gespart mir diese Hast.
Nun sucht er mich im Sonnenschein
Wie hab ich nur meine Liebe verpasst.
Daher tret ich nun den Rückweg an
auf dass ich sie dieses Mal finden kann.

(Sienna und Tilion)
Und so reite ich nun geschwind
Hab den Weg bald hinter mir.
Weht um mich eisiger Wind
Doch nichts hält mich fort von Dir.
Ich folge der Straße weiter und weiter
erblick in der Ferne einen Reiter.

Die letzten Worte waren wieder etwas leiser gesungen, doch im Anschluss setzte Sienna das Lied freudig fort. Sich im Gesang gegenseitig abwechselnd, schritten die Sänger wieder aufeinander zu.

(Sienna)
Erkenne vor mir meinen Schatz
und springe hastig von dem Pferde
erreiche ihn mit einem Satz
aus Angst, dass er plötzlich verschwinden werde.

(Tilion)
Nun seh ich dort im Sonnenlicht
Der Holden schönes Angesicht
mit strahlenden Augen sie zu mir spricht
Scheint es mir wie ein Gedicht.

Gemeinsam sangen sie die letzte Strophe.

(Sienna und Tilion)
Und während wir uns in die Arme schließen.
Gestehen wir uns unsere Sehnsucht ein
Mit der Trauer, dass wir uns trennen ließen
blieben wir damals ein jeder allein.
So denken wir nun an die kommende Zeit,
nicht mehr einsam sondern auf ewig zu zweit.

Die letzten Töne verklangen, ließen den Raum in Stille zurück. War das Publikum begeistert, gar verzaubert? Oder doch eingeschlafen?
Doch dann setzte zunächst zögerlich der Applaus ein. Tilion verbeugte sich, dann trat er zwei Schritte zurück und wies mit erhobener Hand auf Sienna, welche einen höfischen Knicks machte.
Als der Applaus verklungen war verließen die beiden mit einem Gruß an Athavar die Bühne, jenem das Wort überlassend.

Glücklich lächelnd, dass sie sich von Tilion hatte überreden lassen, mit ihm aufzutreten, stieg sie gemeinsam mit ihm von der Bühne und setzte sich an seinen Tisch, wo sie sich den dort Sitzenden vorstellte und jenen Teilnehmern, welche ihre Stücke bereits zum Besten gegeben hatte, ein Lob aussprach. „Sie waren wirklich sehr interessant und vom Thema wohl gewählt. Auch wenn ich sich reimende Gedichte und Lieder doch immernoch vorziehe.“ Sie lächelte in die Runde und wartete dann, ob sich noch weitere Künstler zeigen würden.

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