Frei

Die freie Gesinnung zu definieren, ist wahrlich nicht das einfachste aller Unterfangen, denn Wesen mit eben jener sind genau das: Frei. Manchen ist es einerlei, welche Fehden die Verfechter der lichten und dunklen Gottheiten austragen, andere wiederum schlagen sich auf eine dieser Seiten. Ob sie sich daraus nur einen eigenen Vorteil verschaffen wollen oder einem der Götter tatsächlich zugeneigt sind – die Gründe können mannigfaltig sein.

Doch nicht wenige sind der Überzeugung, dass ihre Welt, und insbesondere die Natur, Widerstand gegen die von den Anhängern dieser Alten und Neuen Ordnung geführten Kriege leistet. Das Gleichgewicht soll dabei wiederhergestellt werden, weshalb es nicht verwunderlich scheint, wenn unzählige Bewohner sich den Freien Geistern Evergores zuwenden.

Nicht Levonar war es, die sie erschuf. Keiner der anderen Götter nahm sie unter deren Schutz. Aus den Elementen der Urzeit entstanden sie, als die sich formenden Welten dem bloßen Willen der Erschaffer entglitten. Unberührt von der Macht der Lichten und der Dunklen Fünf sind sie die einzigen Wesen, die wirkliche Freiheit haben, hier nennt man sie daher die Freien Geister.

Sylaphar (Luft und Wind)

Sehnt ihr euch nicht an manchem Sommertag nach einer erfrischenden Brise, die zart über eure Haut streicht und in eurem Haar spielt? Sylaphar ist es, die sie euch gewährt oder auch verweigert, genau wie sie die zerstörerischen Orkane entfesselt, die so manche Bäume entwurzelt und Häuser zertrümmert haben.
Viele Bewohner und Arbeiter der kleineren Siedlungen bitten sie daher, gnädig mit ihnen zu sein und ihren wertvollen Besitz zu verschonen. Die meisten Seefahrer tragen stets ein Amulett der Sylaphar mit sich, denn wer will schon auf hoher See Flaute erleben, wenn die Bürokratie den Proviant immer weiter kürzt?

Tirkan (Erde und Berge)

Besonders die Zwerge, die einen Großteil ihres Lebens in ihren kostbaren Minen verbringen, wissen um die Macht dieses Geistes. Schon viele Anhänger ihres Volkes wurden von Steinschlägen und Einstürzen beim Schürfen dahin gerafft. Auch Bauern lehrt Tirkan das Fürchten mit unerwarteten Erdbeben oder Erosionen. Doch er ist es auch, der ihre Äcker mit Fruchtbarkeit segnet oder fleißige Bergarbeiter die verborgenen Erzadern zeigt.

Um seiner mürrischen Natur entgegenzuwirken, bieten viele Schürfer, Bauern, aber auch Totengräber opfer dar, denn seine Macht kann die letzten Ruhestätten der Toten angeblich für ewig verschließen.

Umandia (Wasser und Meer)

Spätestens wenn der Boden Risse bildet, wird es höchste Zeit für einen erfrischenden Regenschauer. Doch wie schnell wird einem dieser wohltuende Wolkenbruch zum Verhängnis? Blitz und Donner kündigen die Stürme schon vom Weiten an, die Weiden zu Sümpfen und Flüsse zu Stromschnellen werden lassen.

Bauern fürchten die strohgelbe Farbe, welche die Gräser im Sommer nur allzu oft annehmen und bitten Umandia daher frühzeitig um ihren Segen. Auch Seefahrer beten nicht erst zu ihr, wenn gierige Wellen bereits an den Planken ihres Schiffes nagen. Denn eines ist Umandia genauso wenig, wie die anderen Geister: ungefährlich.

Sarmakand (Feuer und Hitze)

Wie viele Schmiede verzweifeln an den Feuern ihrer Essen? Ist es zu heiß, wird der Stahl spröde, zu kalt und die Hammerschläge treiben Risse ins Metall. In solchen Situationen hilft Sarmakand gerne einmal nach, oft etwas übereifrig, denn auch er kennt nicht immer das rechte Maß und so erhellten schon öfters züngelnde Flammen den Nachthimmel über Städten und Dörfern, auch größere Siedlungen brannten seine Flammen des Öfteren nieder. Nichtsdestotrotz verhalf er schon so manch einem Gesellen zu einer Waffe, die kein Meister besser hätte schmieden können.

Verständlicherweise bieten Schmiede diesem Geist ihre Opfer dar. Doch auch die Bewohner fruchtbarer Ländereien um Vulkane bitten Sarmakand, die Feuer der Tiefen von ihrem Hab und Gut fern zu halten.

Lumetis (Ordnung und Gerechtigkeit)

Wenn ihr in finsterer Nacht fern auf den Straßen des Landes oder den Gassen der Städte Schritte hinter euch hört – eilige Schritte – und ein Horde Räuber auf Unwissende wie euch wartet, um sie zu überfallen, ist es Lumetis, der ihre Füße über verborgene Wurzeln oder heraus ragende Steine stolpern lässt, um euch die Flucht zu ermöglichen. Unter seinem Schutz stehen auch die Gardisten der Städte, die er zum Beispiel durch aufgeschreckte Vogelschwärme auf Angreifer hinweist. Er gewährt den Unschuldigen Schutz und Beistand, die verruchten Halunken des Landes jedoch fürchten seinen Zorn.

Wo immer in diesem Land Richter ihren Hammer oder Wachposten ihre Fackeln schwingen rufen die Menschen Lumetis an. Auch Ratsherren und Aristokraten bitten ihn häufig um Beistand beim Treffen wichtiger Entscheidungen. Auch Eskorten oder einfache Reisende versuchen häufig, seine Gunst zu erringen, denn wer will schon all sein Habe an die Räuber des Landes verlieren?

Hryuran (Zorn und Besessenheit)

Aus dem Norden des Landes drangen schon häufiger Berichte über blutrünstige Barbarenhorden, die ahnungslose Reisende oder friedfertige Bauern überfallen und für grausame Rituale benutzen. Besessen von Wut und Hass gegen jede fremde Kreatur ist es ihr Ziel, Schmerz und Leid über jedes Lebewesen der Welt zu bringen. Sie töten ihre Opfer im Namen Hryurans des Zornigen, der ihnen dafür ungewöhnliche Stärke verleiht. Doch auch in den friedlicheren Gebieten des Landes stiftet dieser Geist gerne Unruhe. Wo immer eine Prügelei im Gange ist, dafür ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit verantwortlich. Denn er liebt es, wenn Freunde den Verstand verlieren und einander wehtun wollen.

Nur wenige Leute beten diesen Geist freiwillig an, meistens sind sie zuvor schon von ihm besessen. Doch wer einem Anderen Rache schwört und ihm großes Leid wünscht, ist häufig bereit zu Hryuran zu beten.

Jimane (Ödnis und Wüste)

In den staubtrockenen Ödlanden, wo keine Pflanze mehr ihre Blätter zur Sonne zu strecken vermag, ist Jimane zu Hause. Die Herrin der Wüsten lässt besonders im Sommer weite Grasländer und Gebirge austrocknen, verwandelt fruchtbares Land in eine karge Steppe. In ihrem Reich herrschen Hitze und Sandstürme, keiner, der noch bei klarem Verstand ist, traut sich dorthin. Sollte sich doch jemand in diese Länder verirren, so lernt er vielleicht ihre andere Seite kennen: Eine dunkelhäutige Frau erscheint wie aus dem Nichts vor den im Staub kriechenden Reisenden, mit einer anmutigen Handbewegung bedeutet sie ihnen zu folgen und führt sie zu einer rettenden Oase.

Außer verirrten Wanderern bitten auch oftmals solche Jimane um Beistand, die einen Konkurrenten loswerden wollen, auf dass jener bald von Alterserscheinungen übermannt wird.
Wieder andere bitten Jimane allerdings um Gnade, auf dass sie lange vom Altern verschont bleiben mögen.

Zernalon (Flora und Fauna)

Zu Zernalons Reich gehören alle Orte, an denen Pflanzen wachsen und Tiere leben können. Seien es die dunkelsten Wälder, die tiefsten Seen oder die steilsten Berghänge, überall wo Leben sprießt hat Zernalon die Hand im Spiel. Wanderer, die Regen und Sturm ausgesetzt sind, lässt er in den Schutz mächtiger Bäume fliehen und einige haben schon von wilden Tieren erzählt, die sich friedlich genähert und die Wärme ihres Fells angeboten haben. Doch wie jeder Geist hat auch Zernalon zwei Seiten. Wer immer sich seinen Schützlingen in böser Absicht nähert kann sich seines Zornes sicher sein. Schon einige übermütige Holzfäller wurden von herabstürzenden Ästen erschlagen oder von einem Rudel Grauwölfe attackiert.

Besonders Elfen und Erdmagier schätzen die Werke dieses Geistes. Doch auch Gärtner, Jäger und andere naturverbundene Personen bitten ihn um seine Gunst und Hilfe. Nahezu ein jeder kann von seinem Segen profitieren.

Ziphelys (Zwietracht und Schabernack)

„Das war aber gerade nicht nett von dir, mir einfach so ein Bein zu stellen!“
„Aber… das war ich nicht!“
„Jetzt behaupte am Besten noch, ich sei wahrscheinlich über eine Baumwurzel gestolpert!“
„Vielleicht war es… Ziphelys…“
„Wer?“
„Schon gut.“
Doch als die beiden ihrem Weg durch den Wald weiter folgten, begleitete sie ein keckerndes Lachen, das sich wenigstens der Gestolperte nicht erklären konnte.Dieser Geist spielt im Alltag kaum mehr eine Rolle, da er kaum eindeutig in Erscheinung tritt. Sollte man nach Berichten über ihn suchen, so wird man mit Sicherheit keine allgemein gültige Darstellung finden, denn genau darum geht es ihm. Ziphelys‘ einziges Ziel ist der Kampf gegen seine eigene Langeweile. Dazu ist ihm jeder mögliche Streich recht, ungeachtet dessen Folgen für die Welt, deren Geschichte er schon mehrere Male nachhaltig beeinflusst hat.

Velcanthis (Eis und Kälte)

Nur wenige kennen Velcanthis heute noch, entsprechend wenig Anhänger hat er. Als Herr über Schnee und Eis wurde er geboren, doch einer Legende nach gab er sein Leben aus Liebe zu Umandia auf. Sie ist es heute, der man seine Aspekte zuschreibt und demnach ist sie in den Augen der Völker für Schneestürme und Lawinen ebenso zuständig wie für Regen und Flüsse.
Auch wenn Velcanthis nicht mehr in großem Rahmen verehrt wird, gibt es einige wenige Berichte über seine Taten. Ob das nun Verwechslungen mit Umandia oder wahre Indizien sind, vermag niemand zu sagen, denn wer kann schon wissen, ob ein Freier Geist wahrhaft tot ist?

Mirin (Krieg und Schutz)

Gleichzeitig mit allen anderen Freien Geistern wurde auch Mirin erschaffen, doch im Gegensatz zu denen blieb Mirin lange Zeit außerhalb unserer Welt, am Ort ihrer Geburt und hatte demnach weder Einfluss noch Anhänger.
Erst ein mächtiger Blutmagier beschwor sie einst und band sie an sich, auf dass sie ihm in Schlachten diene. Erst sein Ableben schenkte ihr die Freiheit, doch vielen blieb das blutüberströmte Wesen auf den Schlachtfeldern in Erinnerung.
Nach dieser Zeit lernten Einige jedoch eine andere Gestalt dieses Geistes kennen. Gelegentlich, wenn Wanderer des Nachts mal wieder unter die Räuber fallen, dringen Berichte in die großen Städte von einer elfischen Kriegerin in schimmernder Rüstung, die aus dem Nichts auftauchte und den Unschuldigen ihr Leben rettete.Nur wenige unterhalten Kontakte zu diesem Geist und diejenigen, denen sie sich zeigt ist sie oft als freundliche und hilfsbereite Elfe. Größere Ansammlungen von Anhängern gibt es aufgrund ihrer Vergangenheit kaum.

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